Niederburg im Schnee
Oberburg und Niederburg im Schnee
Regenbogen beim Niederburg

Die spannende Geschichte von Manderscheid

Es wird vermutet, dass das Gebiet um Manderscheid schon zur Steinzeit besiedelt wurde. Vereinzelte Funde von steinzeitlichen Geräten wie zum Beispiel Beile bestätigen die Vermutung, dass hier schon früh Menschen lebten. Auch zur Zeit der Römer war die Region bewohnt. Dies zeigen beispielsweise Funde von römischen Münzen oder Überresten von römischen Villen. Die jedoch mit Abstand bedeutsamste Zeit für die Region Manderscheid war das Mittelalter. Aus dieser Zeit stammen die Ober- und die Niederburg, welche noch heute das Stadtbild prägen. Die zwei Burgen liegen in nächster Nähe zu Niedermanderscheid (am Fuß der Niederburg) und der Stadt Manderscheid. 

 

Namentlich wurde Manderscheid erstmals im Jahr 973 n. Chr. in einer Spendenurkunde erwähnt, als Kaiser Otto II. die Rechte für den Ort dem Erzbischof von Trier und dessen Kirche schenkte. Am 23. August 1332 wurden Manderscheid die Stadtrechte verliehen. Jahrzehnte später, im 15. Jahrhundert, wurde Manderscheid zum Hauptsitz des Kurfürsten von Trier. Die Manderscheider Bevölkerung lebte zu dieser Zeit von der Lakenherstellung, aber erlangte dadurch keinen großen Reichtum. Die Bewohner der Stadt Manderscheid mussten sehr hart arbeiten, um ihr Überleben zu sichern. Tragischerweise wurde die Stadt immer wieder vom Schicksal heimgesucht: So brach im Jahr 1718 ein Großbrand aus, als die Bewohner an einer Wallfahrt teilnahmen. Der Großbrand hinterließ schwere Schäden in der Stadt. Fast 80 Jahre später litt die Bevölkerung abermals: Die kleine Stadt wurde von den Franzosen überfallen und geplündert.

 

 

 

Nicht nur die Stadt selbst, sondern auch die malerischen Burgruinen haben eine spannende Geschichte zu erzählen: 

 

Wer die Manderscheider Burgen zum ersten Mal sieht, wird kaum vermuten, dass deren damalige Bewohner stark verfeindet waren. Während die Oberburg zum Kurfürstentum Trier zählte, gehörte die Niederburg dem Herzogtum Luxemburg an. Somit unterlagen sie zwei unterschiedlichen Herrschaftsgebieten. Die Stadt Manderscheid lag zu dieser Zeit am östlichsten Punkt der südlichen Niederlande. Getrennt waren die nah beieinander liegenden Burgen nur durch einen Fluss; die Lieser genannt. Sie bildet seit jeher eine natürliche Grenze zwischen der Ober- und Niederburg. 

 

Werfen wir einmal einen genauen Blick auf die beiden Burgen: 

Die Oberburg wurde, wie man heute noch sehen kann, auf einem flachen Felsen errichtet. Ursprünglich war sie von einer dreieckigen Mauer umgeben und hatte einen fünfstöckigen Bergfried. 

 

Die Burg wurde erstmals zwischen 1140 und 1147 erwähnt, als ein Streit zwischen dem Grafen Heinrich dem Blinden von Namur-Luxemburg und dem Erzbischof Albero von Trier entbrannte. Das Dorf Obermanderscheid wurde im 14. Jahrhundert zum Amtssitz des Kurfürsten von Trier, der fast 400 Jahre lang bestand. Das Gebiet des Kurfürsten von Trier schloss somit das Herrschaftsgebiet der Luxemburger vollständig ein. 

Tragischerweise wurde die Oberburg im Dreißigjährigen Krieg, der von 1618-1648 währte, schwer beschädigt. Vor der vollständigen Zerstörung durch vermutlich französische Truppen im Jahr 1684, war die Burg jedoch noch bewohnbar.

 

Fast 300 Jahre später, im Jahr 1921, kaufte die Gemeinde Manderscheid die Burg, um den Verfall aufzuhalten. Heutzutage ist die Burgruine frei zugänglich. Auch der Bergfried ist wieder begehbar und bietet einen tollen Blick auf Manderscheid und die Umgebung.

  

Die Niederburg, die unter der Herrschaft des Herzogtums Luxemburg stand, wurde unterhalb der Oberburg auf einem Felsen im Tal der Lieser errichtet. Die vorteilhafte Lage der Niederburg erlaubte dessen Bewohnern die Kontrolle des Verkehrs und ermöglichte sogar eine vollständige Blockade.

 

Die Niederburg wurde wie die Oberburg im 12. Jahrhundert erbaut; vermutlich in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts. In den Jahren 1391/92 und zu Beginn des 15. Jahrhunderts wurden die Burg und die Wälle vergrößert. Dadurch fiel nun auch Niedermanderscheid ab 1427/28  in ihren Bereich. 1618 wurde die Burg von den Truppen Kaiser Ferdinand II. belagert und erfolgreich erobert. Auch die Kriege von Ludwig XIV. beschädigten die Burg stark. Erst ein ganzes Jahrhundert später, im Jahr 1711, veranlasste der damalige Graf Reparaturarbeiten an der Burg. 1794 wurde die Burg jedoch durch französische Truppen vollends zerstört. Die letzten Herrscher, die die Burg bewohnten, waren Gräfin Augusta von Manderscheid-Blankenheim und ihr Mann Graf Christian von Sternberg.  

 

Seit 1899 ist die Burg im Besitz des Eifelvereins. Die eindrucksvolle Burgruine kann gegen eine kleine Gebühr erkundet werden.

 

 

Dieser Text wurde unter Zuhilfenahme folgender Quelle übersetzt:

Hesse, Günter/Schmitt-Kölzer, Wolfgang: Manderscheid. Geschichte einer Verbandsgemeinde in der südlichen Vulkaneifel. Johnen-Druck Bernkastel-Kues 1986.